Tips zur Leistungssteigerung beim Aufgelegtschießen

St. Sebastianus Schützenbruderschaft Köln-Niehl gegr. 1849 e.V.
von Rainer Jacobi Das Aufgelegt Schießen erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Kein Wunder, können doch hier die älteren Sportkameraden, die unseren Schießsport oft schon aufgegeben hatten, zeigen, dass mit ihnen wieder zu rechnen ist. Es gelingt aber nur wenigen Schützen, hier wirkliche Höchstleistungen zu erzielen. Die spezielle Technik des Aufgelegt Schießens wird einfach noch nicht genügend ausgefuchst. Hier einige Tipps: Hohe Ergebnisse mit dem Luft- und KK-Gewehr lassen sich leichter mit kompletter Schießkleidung erzielen. Mit der den Anschlag stabilisierenden Schießkleidung steht man ruhiger und kann das Gewehr bei richtig eingenommenem Anschlag absolut ruhig halten. Bei der Schießkleidung darf deshalb nicht gespart werden. Das Gewehr sollte mit einem 1,5fach (0,5 Dioptrien) vergrößernden Adlerauge ausgerüstet sein. Je größer das Ziel gesehen wird, je leichter ist es auch zu treffen. Ein verstellbares Iris-Ringkorn gehört in den Korntunnel. Eine verstellbare Iris-Diopterscheibe mit mehreren Farb- und zwei Polarisationsfilterscheiben ist unbedingt erforderlich, um stets ein gutes Zielbild erstellen zu können. Über die Anschaffung eines Präzisionsdiopters  hier geht es schließlich um absolut präzises Schießen  sollte nachgedacht werden. Ein Auflagekeil muss verwendet werden bei einem sich nach vorne verjüngenden Schaft. Leider sieht man zu oft Schützen mit ihrer normalen Sehbrille schießen. Hier bleiben Zielfehler nicht aus, weil beim Zielen nur durch die obere Ecke des Glases gesehen werden kann. Ein Optiker, der sich mit den Problemen von Sportschützen auskennt, muss dem Schützen ein auf seine Sehkraft abgestimmtes Glas in einer Schießbrille anpassen. Wir haben beim Zielvorgang beide Augen offen, das nicht zielende Auge wird mit einer weißen oder transparenten Diopterblende abgedeckt! Um bei allen Sportverbänden ohne Umstellung schießen zu können empfehel wir den  "freistehenden Anschlag".  Die nicht abziehende Hand muss das Gewehr am Vorderschaft von unten halten Dieser Anschlag kann bei allen Meisterschaften des DSB und des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften geschossen werden. Beim "freistehenden Anschlag" kann sich der Schütze wegen des nicht so weit nach vorne gestreckten freien Armes etwas mehr zur Scheibe hin drehen. Seitliche Schwankungen kommen dann wegen der günstigeren Fußstellung nicht mehr vor. Der Anschlag ist ruhiger und zahlt sich durch beständigere Ergebnisse aus. Beim Aufgelegtschießen sollte das Gewehr im vordersten Bereich des Auflagekeils bzw. des Schaftes aufgelegt werden. Durch den hierdurch gewonnenen großen Abstand zwischen Auflage und Schulter übertragen sich Körperbewegungen nicht so stark auf die Laufmündung. Der Hebelarm wird günstiger, je weiter die Gewehrauflage vom sich bewegenden Körper weg ist. Die absolut ruhige Lage des Korns ist von größter Wichtigkeit und durch das Auflegen im vordersten Schaftbereich leichter zu erreichen. Das Hauptgewicht des Gewehrs liegt dabei im Schaftkappen- bzw. Schulterbereich, was aber zu keinen Schwierigkeiten führt. Zusatzgewichte sollten aber nicht im hinteren Schaftbereich angebracht sein. Beim Luftgewehr kann das serienmäßige vordere Gewicht um etwa 100 bis 200 Gramm erhöht werden. Weitere Gewichte bis zur Ausnutzung des zulässigen Höchstgewichtes sind im Auflagebereich, also im "Drehpunkt" des Gewehrs anzubringen. Hier, direkt über der Gewehrauflage, tragen hohe Gewichte durch Druck auf den "Drehpunkt" mit dazu bei, Bewegungen des Gewehrs durch den erhöhten Reibungsdruck mit der Auflage zu entschärfen. Die wichtigste Vorbereitung beim Aufgelegtschießen ist die korrekte Anschlagsausrichtung. Die Höhenausrichtung wird nur mit der in der Höhe verstellbaren Auflage vorgenommen. Nach normaler Anschlagseinnahme wird die Auflage so oft verstellt, bis das Korn die Höhe des Spiegels erreicht hat. Das kann ruhig einige Minuten dauern. Auf keinen Fall darf das Korn durch Anheben der Schulter oder "sich klein machen" auf den Spiegel gebracht werden. Das hätte Ausreißer zur Folge. Die seitliche Ausrichtung erfolgt nur durch das Versetzen der Füße. Der Schütze stellt sich aufrecht (nicht nach vorne geneigt) bei korrektem Schulterkontakt zum Gewehr. Der linke Fuß (beim Rechtsschützen) zeigt in Schussrichtung bei einer leichten Drehung nach rechts. Der rechte Fuß wird normal, der leichten Körperdrehung nach rechts entsprechend, aufgesetzt. Der rechte Fuß wird dann etwa 45 Grad zur Schussrichtung stehen. Der Abstand der Fersen beträgt bei einem 175 Zentimeter großen Schützen zirka 50 Zentimeter. Das sollte die grobe Ausgangsstellung sein. Grobausrichtung erfolgt dann durch das leichte Versetzen der Füße. Feinausrichtung folgt durch anschließendes leichtes Drehen der Fersen. Das Korn darf nicht durch seitliche Bewegung des Körpers auf den Spiegel "gezogen" werden. Es ist darauf zu achten, dass das Gewehr stets an der gleichen Stelle der Auflage aufgelegt wird, sonst stimmt die seitliche Ausrichtung nicht. Auf immer gleichmäßiges Einsetzen im Schulterbereich muss geachtet werden. Zunächst wird das Gewehr aufgelegt. Zum Einsetzen wird der rechte Arm angehoben, mit den Fingern der linken Hand (beim Rechtsschützen) wird die Schaftkappe an stets derselben Stelle eingesetzt. Danach wird der rechte Arm wieder gesenkt. Mit den Augen ist das Einsetzen zu kontrollieren. Bei jedem Wettkampf sollte der Schütze frühzeitig  wenn möglich, etwa 10 Minuten vor Startbeginn  seinen Stand einnehmen. Die Zeit ist zu nutzen zur Anschlagsausrichtung und zur Erstellung eines guten Zielbildes mit Hilfe der Iris-Diopterscheibe und des Iris-Ringkorns. Es sollten Anschlagsübungen folgen, um "zur Ruhe" zu kommen. Mit dem Probeschießen darf erst begonnen werden, wenn der Anschlag stimmt. Eine ganze Serie von Probeschüssen ist abzugeben, weil sich unsere Muskeln, Sehnen und Bänder an das ruhige Stehen gewöhnen müssen und dadurch noch Veränderungen unterworfen sind. Schussbildveränderungen während des Probeschießens sind deshalb normal. Es darf nicht schon nach drei oder vier gut liegenden Probeschüssen mit dem Wertungsschießen begonnen werden. Erst nach etwa 10 Probeschüssen, die in zirka 10 Minuten abgegeben werden, kann, wenn die Trefferlage der letzten Schüsse mittig liegt, mit dem Wertungsschießen begonnen werden. Der Schütze muss sich auf absolut ruhiges Halten, genaues Zielen und sauberes Abziehen konzentrieren. Abziehen sollte man bei ruhig liegendem Gewehr unbewusst, das heißt, man verstärkt bei gutem Zielbild den Druck auf den Abzug, bis der Schuss ausgelöst ist. Fehler beim Abziehen können so vermieden werden. Bei der Auslösung ist das Korn zu beobachten. Seitliches "Springen" des Korns (beim KK-Gewehr kann das, trotz Auflage, sehr ausgeprägt sein) deutet auf ungenaue Anschlagsausrichtung hin.